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Youtube Auswüchse

 

Vor zehn oder zwanzig Jahren hat man sich noch darüber aufgeregt, dass das Fernsehprogramm immer tumber wird. Doch was schauen die Kids heute eigentlich?

 

 

Was glotzt du 2018

 

 

 by Horstio, 10/30/2018 (changed: 10/31/2018)

Vor zehn oder zwanzig Jahren hat man sich noch darüber aufgeregt, dass das Fernsehprogramm immer tumber wird. Doch was schauen die Kids heute eigentlich? Fernsehen wird immer uninteressanter. Sender wie RTL2 oder SAT1 haben sich jahrelang damit über Wasser gehalten, den Leuten eine modernisierte Form von "Brot und Spiele" zu liefern. Die Devise lautete nur eher: "Nacktes Fleisch und verfilmte Dummheit!" Scripted Reality zum Beispiel. Man nehme ein paar muskelbepackte Volltrottel und ekelerregend verunstaltete, Silikon verfugte Schlampen mit Plastikfetisch, setze sie in einen Wohncontainer oder eine WG und tue so, als wären deren Gespräche und alle Geschehnisse wirklich echt. Die Zuschauer nehmen es der Idiotencrew zunächst sogar ab, denn die Typen agieren allesamt bewusst künstlich, völlig lebensfremd und komplett over the top, so dass man sie gar nicht erst mit Schauspielern verwechseln kann. Schlimmer Nebeneffekt: Wer selber nicht ganz rund läuft, übernimmt die Macken der Fernsehgeisterbahn auf Dauer in den eigenen Alltag. Man siehe sich jetzt nur einfach mal um und realisiere, wie weit es gekommen ist. The Walking Dead ist keine Utopie! Es ist vielmehr ein missverstandenes Mahnmal. Die Leute scheinen durch jahrelangen Konsum solcher Sendungen tatsächlich hirnamputiert zu sein. Man höre sich einmal draußen um und achte auf den nach Neandertal klingenden "Ugga-Agga-Ugga" Tonfall, den die deutsche Sprache nun mehr angenommen hat.

Weitere Sendungen auf solchen Qualitätskanälen zeigen nackte Weiber, nackte Kerle und nackte Menschen, die sich geschlechtlich irgendwo dazwischen ansiedeln, weil es heute "in" ist, sich keinem Geschlecht unterzuordnen. Alle paar Jubeljahre ist es wohl an der Tagesordnung, eine Randgruppe der Gemeinschaft in den Mittelpunkt zu setzen und zu betuddeln, als seien es rohe Eier, die mit Herzenswärme ausgebrütet werden sollen. Genderwahn: So ein Blödsinn! Doch es soll hier nicht über den Sinn und Zweck oder Recht und Unrecht oder Menschlichkeit im Allgemeinen diskutiert werden. Es ist doch vielmehr traurig, dass überhaupt über solche Themen diskutiert werden muss. Da ist der Mensch in seiner Schläue und seinem Selbstbewusstsein schon die Krone der Schöpfung, aber trotzdem noch immer nicht in der Lage zu erkennen, dass, egal ob dick oder schwul oder hässlich oder transsexuell oder mongoloid oder asozial oder schwarz oder einfach nur strunzdämlich, es sich beim Gegenüber immer noch um ein menschliches Wesen handelt. Da muss unbedingt zum Tagesgeschehen gemacht werden, dass man mittlerweile in irgendwelchen Fragenbögen neben "männlich" und "weiblich" auch noch "weiß ich nicht" ankreuzen kann. Als ob es wirklich von Bedeutung wäre.

Lasst es mich so sagen: In der Welt geht alles den Bach runter. Die Amis haben einen potenziell pädophilen, macht- und geldgeilen Opa zu ihrem Herrscher erkoren. Hass und Angst wachsen überall in der Welt. Amok-Attentate und ähnliche Gewaltverbrechen geschehen und es gibt tatsächlich Organisationen, die stolz darauf sind, sich diese Verbrechen auf ihre Fahne schreiben zu können. In solchen Zeiten muss man natürlich jedermann zwingend darüber informieren, dass Ernie und Bert doch schwul sindextern. Wenn man schon im politischen Tagesgeschehen nicht mitreden kann, dann hat man wenigstens anhand solcher News einen Grund, die Nachrichten zu gucken oder Zeitung zu lesen. Es ist ebenso absolut notwendig, den Leuten immer ein Gefühl der Freude zu geben, selbst wenn die Welt den Arsch zukneift.

"Die USA stehen komplett in Flammen."
"Preise für Marshmellows sinken! Lagerfeuergitarren erleben Umsatzsteigerung wie nie zuvor"

"Die Kontinente versinken in den Ozeanen. England ist schon baden gegangen."
"Sensation! Eichhörnchen fährt Wasserski!"

So war es immer und so wird es auch bleiben. Neben den immer absurder werdenden Themen des Weltgeschehens ist jedoch vor allem eines interessant: Die Art und Weise, wie solche Neuigkeiten heute verbreitet werden. Früher sah man Fernsehen und las Zeitung. Man entwickelte eine eigene Meinung zu den Dingen. Wusste man mit irgendwelchen Informationen nicht direkt etwas anzufangen, dann tauschte man sich untereinander aus. Früher hatte man aber auch die nötige Zeit, sich Gedanken zu machen und eine eigene Meinung zu bilden. Heute scheint der Einzelne hermetisch abgeriegelt zu sein, als lebe er in einer Art Matrix. Du gehst arbeiten oder, wenn du aus einem der neuen Bundesländer kommst mit hoher Wahrscheinlichkeit, auch nicht. In zweitem Falle triffst du dich mit deinen haar- und zahnlosen Kumpels an der Tanke und mockierst dich über Asylantengelumpe und Arschlochpolitiker und machst deutlich, dass alle gemein zu dir sind und deshalb was auf die Fresse verdienen. In entgegengesetzten Kreisen funktioniert das übrigens auch ganz gut. Es spielt keine Rolle, ob du keine Haare hast oder bunt angemalte. Ob du "Hitler, Hitler" rufst oder "Nazis raus!" Greifst du zum Baseballschläger oder zu Wurfgeschossen wie Steine oder leere Bierflaschen, dann stehst du in erster Linie völlig im Abseits und hast eigentlich erst mal deine Schnauze ganz weit geschlossen zu halten.

Die Anderen, irgendwo in der Mitte, gehen ihrem geregelten Alltag nach. Und das sollen sie auch. Die Gesellschaft, in der wir leben, egal ob man sie jetzt als "Deutschland, Deutschland über alles" oder schlicht als humanitäre Gemeinschaft bezeichnet, baut seit ihrer Entstehung darauf, dass jeder gleich ist und jeder das Recht hat, sich ihr anzuschließen. Zu oft wird dabei jedoch außer Acht gelassen, dass diejenigen, die bereits Mitglied im Club sind, nicht jedermann dabei haben wollen. Da stellt sich doch im Grunde die Frage, ob solche Leute nicht einfach ihren Mitgliedsausweis abgeben sollten. In der Grundschule hat genau das auch schon funktioniert, um reaktionäre Subjekte aus der Gemeinschaft zu isolieren. Blöd vielleicht nur: Die Verstoßenen machen irgendwann ihren eigenen Club auf und erlauben den Besitz und die Benutzung eines Stocks, um damit Andersdenkende zu versohlen. Ganz einfach wurde es einem nie gemacht. Es brauchte immer einen Lehrkörper oder gar einen Rektor, um solch einen Disput einzudämmen. Im Endeffekt musste also jeder nachsitzen - sowohl die Guten, wie auch die Bösen. In der realen Erwachsenenwelt würden solch einfache Mittel und Methoden sicherlich auch funktionieren, aber man macht es sich viel zu schwer. Es gibt schließlich eine Nebenerscheinung, die Recht und Unrecht in der Erwachsenenwelt verbiegen kann: Geld. Und komischerweise taucht Geld immer in den Händen der Falschen auf, so dass weiteres mahnen keinen Sinn macht. Wir sind also am Arsch. Obs heute nun an Merkel liegt, so wie es früher schon an Schröder lag oder an Kohl oder an Brandt oder an Adenauer oder an Hitler oder an Boney M das spielt keine Rolle. Ob der politisch Verfolgte, der vor deiner Tür steht und um Hilfe bittet, scheiße ist oder aber sein Verfolger, der dein Haus ohne mit der Wimper zu zucken bombardiert, weil du anders bist, als er, das ist sowas von egal. Weg sind wir im Grunde alle irgendwann.

Wichtig ist doch eigentlich nur, was irgendwelche Stars zu solchen Themen zu sagen haben. Oder wie sich die Royals in solch schwierigen Zeiten verhalten. Die Welt geht hops und die Könige und Fürsten machen bumsen-Urlaub auf Malle oder verstoßen gegen Konventionen, weil sie ihre Autotür selbst zu machenextern. Soviel Desinteresse an der Welt muss man erst mal vermitteln können. Andererseits: Wer Geld hat, der hat auch meist eher komische Sorgen. Wer keines hat, der hat vor allem nur komische Pflichten und viele Grenzen einzuhalten. Dem kleinen Mann oder der kleinen Frau oder dem kleinen "Weiß ich nicht" dazwischen wird zu Recht auf die Finger gehauen, wenn man ein Bonbonpapier auf der Straße fallen lässt oder bei rot über die Ampel geht oder ohne Ticket in der Bahn fährt. Aber Einsicht ist leider nicht da, denn man bekommt es immer noch von offizieller Seite vorgelebt und somit ist die Irritation groß.

War es früher noch Sache des Fernsehens zu irritieren, so übernimmt dies heute das Internet. Denn im Internet ist man als User noch näher dran an der Quelle. Wenn man früher seinen Kommentar zu einer Nachricht im Fernsehen schriftlich abgegeben hat, dann bekam man die Hucke voll, weil man nicht auf der Tapete rumzumalen hatte oder es gab ne Geldstrafe, weil Parolenschmiererei an öffentlichen Gebäuden verboten ist. Heute guckt man Youtube oder liest Facebook und Twitter. Und immer darf man direkt darauf antworten. Schon toll. Überall gibts eine Kommentarfunktion. Jeder darf pupen und furzen, wie es ihm beliebt. Das ist wichtig! Obwohl die Macher dahinter es ja ursprünglich gar nicht so gemeint haben. Das ist eher so zu verstehen: "Hier ist mein neuester Artikel auf Fan-Resort.com. Du brauchst den Artikel nicht lesen, weil es momentan wichtiger ist, ob Fan-Resort weiterhin Fan-Resort heißt oder ob es in Hüddeltüddeldüddeldi.ass umbenannt wird. Aber ich würde mich freuen, wenn du "gefällt mir" drückst und anschließend schreibst, dass du ganz meiner Meinung bist. Kritik oder dislikes möchte ich eigentlich nicht so gerne. Danke. Und nebenbei: Ich mag dich nicht."

Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn die Kommentarfunktion gibt es im Grunde schon, seitdem sich die Realität gänzlich ins Internet verzogen hat. Vor zehn oder fünfzehn Jahren war es erstaunlich, wie umtriebig der User Anonymous war. Der war im ganzen Internet auf jeder einzelnen Seite unterwegs, hat polarisiert, kritisiert, rumgepöbelt und sich vor allem auch mit sich selbst gestritten. Das war so 'n bisschen ne Art Fight Club online. Nein, Opa-Scherz beiseite. Die Art der Internetpräsenz hat sich ohnehin völlig geändert. Und das in nur wenigen Jahren. Bis 2010 herum war es Pflicht, jegliche Spur im Internet zu löschen. Dein Internet sollte quasi für andere eine schwarze Wolke darstellen. Niemand durfte sehen, wann du online warst. "Ich? Nein. Ich bin nicht online. Schreib mich nicht an. Ich bin gar nicht hier." Niemand durfte wissen, dass du dich auf Seiten rumgetrieben hast wie Käsemaukenschnüffler.com oder Kinderkadaververstümmler.net - dein Internet war Anderen bestenfalls ein Mysterium, das höchste Geheimhaltungsstufe inne hatte. "Ich brauche das nur, um Fußballergebnisse zu gucken." Wirklich? WIRKLICH? Das Internet war mehr oder minder eine Peepshow. Dicker, grauer Trenchcoat an, nen Hut aufgesetzt und rasch Kram angeschaut, ohne selbst gesehen zu werden. Das war das Internet bis 2010 rum. Wer extrovertiert genug war (oder andersrum: zu unfähig im echten Leben zu kommunizieren), der hat sich in themenbezogenen Foren angemeldet und sich dort über irgendwelche Dinge mit anderen schriftlich ausgetauscht. Das ging ne Weile lang ganz gut und dann kam "Social Media".

Endlich! Endlich durfte jeder der Welt sein hässliches Antlitz präsentieren. Zunächst wurde das noch schief beäugt. Ein paar Kiddies haben sich bei Myspace rumgetrieben. Ein paar Heran- und Erwachsene haben erkannt, dass gewisse VZs so etwas wie virtuelle Poesiealben darstellten, in denen man Profile von Freunden und Bekannten sammeln konnte. Toll. Als nächstes stand Facebook auf dem Plan. Und zunächst gabs Kritik ohne Ende. Die Seite sei eine Datenkrake, die nicht nur das Leben des Mitmachenden verschlingt, sondern empfindliche Daten für Werbung nutzt. Es galt nach wie vor, die Anonymität zu wahren. Obwohl jeder explizite Bilder von Saufgelagen oder sonstdergleichen postete und mit der gesamten, ihm/ihr/weiß nicht bekannten Welt teilte.

Witzigerweise gab es einen Gegentrend. Denn, obwohl gewisse Daten nie, nie, nie preisgegeben werden sollten, zogen es die Leute vor, sich andernorts selbst gänzlich zu exibitionieren. Und heute lässt bereitwillig jeder den Schlübber purzeln, nur um von irgendjemandem gesehen zu werden. Anfangs wurden die Rolläden ganz dicht gemacht und als alle begriffen haben, dass die ach so empfindlichen Daten, die so dringend geschützt werden müssen, eigentlich völlig egal sind, hat man die Fensterscheiben gleich mit eingeschlagen, damit jedes noch so faule Lüftchen ans Tageslicht entweichen und von jedem geschnuppert werden kann. Youtube! Die erste Wahl für jeden, der das Maul aufmacht, ohne dabei was zu sagen zu haben. Bei der Entwicklung der Präsentation im Internet müsste man ja eigentlich annehmen, dass ein Videohosting-Portal wie Youtube mehr oder weniger sowas wie eine Nackt-Dating-Börse darstellen müsste. Und tatsächlich gibts reichlich, na zumindest vorgetäuschte Fleischbeschau auf Youtube. Um das ganze Programm zu erleben, muss man aber ein Patreon werden. Und was macht man als Patreon auf Patreon.com? Nun, man bezahlt erstlinig irgendwelche Arschgesichter dafür, dass sie sich vor eine Webcam stellen oder setzen und irgendwas tun.

Jetzt kann man natürlich sagen, dass es durchaus Leute gibt, die gewisses Talent haben, irgendwas zu tun und dies per Videoaufnahme zu dokumentieren. Sogenanntes Speed Painting beispielsweise: Man schaut sich nicht mehr das fertige Gemälde an, sondern seine Entstehung im Zeitraffer. Damit ist das Bild als solches eigentlich wertlos, die Kunst ist lediglich noch der Prozess der Malerei. Eigentlich ein interessanter Aspekt, aber dann fragt man sich, warum malen die Leute überhaupt noch, wenn das Resultat weniger interessant ist als der Werdegang? Etwa nur, weil es der Künstler eben kann? Es geht folglich also nicht um die Kunst, sondern nur um den Künstler? Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.

Tatsächlich ist alles im Netz gezeigte ein stückweit Anleitung für den Zuschauer. Anleitung und oftmals auch Vollendung. Schaue ich irgendeinem Deppen beim Durchspielen eines Videospiels zu, dann brauche ich es in der Konsequenz selbst nicht mehr spielen. Steht jetzt allerdings eine Nudistentante mit nur einer Kochschürze am Herd und bereitet einen vegetarischen Hackbratenextern zu (oder was auch immer), dann stillt dies trotzdem nicht meinen Appetit. Man holt sich hier vielmehr nur "Anregung". Also sei es, dass man selbst nen Hackbraten zubereiten will oder was anderes in den nächsten fünf Minuten macht. Dazu seien aber mal zwei Dinge angemerkt: Die Tante macht das völlig bereitwillig, um andere Frauen hinsichtlich ihrer Freiheit zu inspirieren, während sie sich gleichzeitig noch enger in die sprichwörtliche Klischeerolle "Schürze-Herd-Titten" zwängt? Echt jetzt? 100 Jahre ringen nach Gleichstellung und -berechtigung mit einem Schlag niedergemacht. Mal ehrlich: Welcher Kerl sieht in einer Frau, die sich dabei filmt, wie sich nackt am Herd steht und kocht, eine emanzipierte Künstlerin? Warum sollten andere Frauen dies als Kunst oder Emanzipation verstehen, wenn es genau das Gegenteil der Emanzipation darstellt? Das ist in ungefähr so, wenn es hieße: "Wir haben erkannt, dass es falsch ist, Andersdenkende in Lager zu sperren und dort zu vernichten." "Und was tun Sie nun ihnen?" "Wir sperren Sie in Lager und vernichten sie." Dies ist aber nur ein Beispiel. Was ist schließlich mit diesen ganzen Yoga Schlampenextern die sich lasziv in "Fotze-frisst-Hose-Wäsche" vor der Kamera räkeln und erstlinig den Blick auf das, wenn auch knapp bekleidete, Zentralmassiv gewähren, anstatt die Übung so zu präsentieren, dass man sie tatsächlich nachahmen kann? Anleitung? Ja, zum Wichsen vielleicht. Ich denke nicht, dass hier nicht Verstand der Männer geschärft werden soll, die Frauen als intellektuelle Wesen wahrzunehmen. Vielmehr soll hier wohl nur was anderes geschärft werden.

Weiterhin stellt sich aber auch wieder die Frage nach dem verkorksten Weltbild der Protagonisten/Protagonistinnen/weiß nicht: Man stellt sich nackt vor eine Kamera und behauptet, so wie von der Natur geschaffen zu sein. Lässt sich aber trotzdem von Kopf bis Fuß tätowieren (was für eine beknackte Rechtschreibung übrigens, ich habs echt nachschlagen müssen), lässt sich die Titten mit Röhrenquallen auffüllen, verchromt sich die gesamte Schnauze plus tiefergelegter Nase und dick aufgepolster Gummilippen aus dem Hause Bridgestone. Irgendwie erscheint mir persönlich das wenig natürlich. Und je gewöhnlicher solche Umbaumaßnahmen werden, desto unmenschlicher wird das Gesamtbild. Ich will es anders sagen: Es gibt Menschen, die haben von Haus aus ein Selbstbewusstsein, das Andere wiederum als Arroganz einstufen. Und dann gibt es Leute, die nicht so viel Selbstbewusstsein haben, es aber mittels solcher Modifikationen zu bekommen versuchen. Ein Kerl mit kleinem Piephahn geht los und kauft sich was total Unnützes wie ein großes, teures und schnelles Auto. Da wächst der Piephahn zwar nicht von ... aber das Ego. Frauen sind da anders und scheinbar nicht so einfach zu befriedigen. Eine Frau mit kleinen Titten geht also los und lässt Dr. Luftpumpe am Nippel ansetzen, nur um dann bei Youtube ungeniert ein "Bikini Shopping Haul" Video posten zu können. Genau das, was sie schon immer wollte. Die Erfüllung ihrer Träume. "Meine gejobbten Boobs sehen so lovely aus in diesem beautifullen Bra." Wirklich? Ist das wirklich für die Frauenwelt gemacht oder ist das nicht vielleicht nur ne moderne Version des Unterwäschekatalogs aus den Achtzigern? Ich mein, welche im Oberstübchen reich bestückte Frau (also ganz oben ... im Kopf ... du Sau) interessiert sich dafür, wie lovely die Boobs irgendeiner Schlampe in irgendeinem beautifullen Bra aussehen?

Mittlerweile ist die Entwicklung solcher Videokanäle ein eigenes Netzwerk geworden, in dem scheinbar eine Unmenge von Geld gescheffelt wird. Es erscheint so, als hätten die vorzugsweise jungen Menschen von heute überhaupt kein Interesse mehr an alltäglicher Arbeit und sind der Meinung mit Youtube, Patreon, Twitch und Co richtig reich zu werden. Und je bahämmerter und bescheuerter der Inhalt dieser Videos ist, desto erfolgreicher sind die "Produzenten". Nur um nicht falsch verstanden zu werden. Es gibt ja durchau interessante Sachen für jedermann auf den entsprechenden Portalen. Ich persönlich schaue zum Beispiel nicht nur gerne die Videos von alteingesessenen Internetfilmern die sich hinter Firmen wie Cinemassacreextern (Angry Video Game Nerd) oder Channel Awesomeextern (Nostalgia Critic) verbergen, sondern finde auch den ein oder anderen sogenannten Streamer interessant. Mr.Icarusextern ist für meinen Geschmack recht unterhaltsam. Der Typ spielt fast ausschließlich Doom Mods und Map Packs. Wohlgemerkt Mods für das alte Doom und nicht das neue von 2016. Das ist schon teilweise ganz lustig, weil er nebenher nicht nur Bier trinkt, sondern auch mal interessante Sachen erzählt und ein herrlich deppertes Gesicht macht, wenn er wiederholt draufgeht.

Was ich jedoch nicht verstehe, ist die Haltung vieler Zuschauer, die den Videostreamern bereitwillig haushohe Donations zukommen lassen, als wärs nichts. Die Zuschauer müssen unsagbar reich sein und spenden Unsummen für teils völlig aussagelose Videos, die keinen ersichtlichen Sinn und Verstand haben, sondern einem nur die Lebenszeit klauen. Hier mal recht aktuelles Beispiel für einen der behämmertsten Kanäle, die mir im Laufe der Jahre untergekommen sind:

Ashtyn&Jon
Ich habe nie verstanden, weshalb es sogenannte Challenge Videos gibt. Warum filmt man sich dabei, während man versucht, ne Kiste Cola auf ex runterzuschütten oder sich gegenseitig mit Lebensmitteln vollschmiert oder mit verbundenen Augen versucht zu erschmecken, welche Körperöffnung einem der Videopartner gerade ins Gesicht gedrückt hat? Diese beiden lebensfremden Arschbacken hier machen scheinbar alles, was man will, wenn man ihnen nur Geld dafür gibt. Das könnte ja witzig sein und in lustigen Situationen enden. Jedoch hat es irgendwie nur den Anschein von Amateurpornographie ... ohne die Pornographie. Es ist also in jeder Hinsicht unbefriedigend.

Was aber noch bescheuerter ist, und da verstehe ich so langsam echt die Welt nicht mehr: Man bezahlt die Vögel dafür, dass sie sich igendwelche anderen Videos auf Youtube angucken. Der geneigte Ami sollte jetzt sagen: "This bottom of the barrel. How lazy can you be?" Es geht hierbei nicht mal mehr darum, einen Inhalt zu liefern. Dieser Blödsinn hier könnte nicht mal mehr als Reaction Video eingestuft werden und ganz ehrlich, diese sogenannten Reaction Videos sind schon totaler Blödsinn. Die dämlich-erstaunte Fresse irgendeines Vorstadtmongos auf irgendein x-beliebiges Video lädt vielleicht einmalig zum Schmunzeln ein. Aber man muss kein Lauffeuer daraus machen und es ihm/ihr/weiß nicht gleich tun. Was man aber vielleicht mal gesehen haben muss, das ist, wie gelangweilt diese beiden Ashtyn&Jon Vollbratzen vor dem Monitor hängen und irgendeinen Scheiß gucken, zu dem sie nicht mal was plausibles sagen können. Es reicht bei denen nicht mal, ein qualifiziertes Statement zu dem Video abzugeben, das sie sich gerade anschauen. Hier kommt jetzt eine durchaus berechtigte Frage (und sogar ein Zitat von dem Nazi-Hausmeister aus dem zweiten Otto Film): UND DAFÜR WILLSTE AUCH NOCH GELD!!!???



Eigentlich müsste man ja annehmen, dass so ne Scheiße in dem riesigen Sammelbecken der Peinlichkeiten (auch Internet genannt) nicht mal 5 Minuten Lebensdauer haben dürfte. Doch weit gefehlt. Knapp 82000 Abonennten allein auf Youtube! Wenn nur ein Zehntel dieser Hohlbacken davon pro Monat einen Dollar aus der Tasche purzeln lässt, haben die Arschgeigen noch richtig was davon. Und womit? Doch nicht etwa mit Recht? Nichts können, nichts tun, außer anständigen Leuten Zeit und den Verstand zu rauben und trotzdem dick abkassieren. Das ist das Jackass-Prinzip von heute. Die Voyeure von heute sind also allen ernstes so faul und gesättigt, dass sie ihre Opfer beim Nichtstun beobachten müssen. Wahrscheinlich bezieht sich der Ruhm Arschtyn&Hohn aber eher darauf, dass die Tussi sich auch gern mal solo im Bikini vor die Cam setzt und völlig in love mit dem look ihrer boobs ist, die sie natürlich hat jobben lassen. Ich kotze im Quadrat.



Aber hey, ähnliche Kanäle gibts mittlerweile zuhauf. Und Youtube ist letzten Endes nicht weiter als die Werbeplattform dieser Produzenten und Protagonisten. Da geben tatsächlich Akteure (vor- oder besser auszugsweise aus der Erotik- oder Pornobranche oder wenigstens mit anderem Modelling Hintergrund) vor, sie seien Leute wie du und ich. Im Grunde genau das Gleiche wie die eingangs erwähnte Scripted Reality Scheiße. Nur, im Netz wähnt man sich viel näher am Geschehen. Man ist mit den Leuten in den Videos auf Augenhöhe und da heute kein großes Team von Filmern mehr nötig ist, solche Videos zu erstellen, erscheinen einem die Alltagsabenteuer irgendwelcher Möchtegern-Hauptdarsteller noch natürlicher und man wird stärker hineingezogen. So persönlich will man mit den Leuten oftmals aber gar nicht werden. Ich will hier einfach mal mein Alltime-Favorite der wtf-Kanäle schlechthin präsentieren. Warum Youtube mir ausgerechnet diesen Dummfug vor einigen Jahren schon als dringend zu gucken empfohlen hat und warum ich auch noch so bescheuert war und draufgeklickt habe ... keine Ahnung. Aber es hat mein Leben bereichert. Egal, wie beknackt und sinnlos irgendwas ist. Man kann es immer unterbieten.

Mary UW and Pet Lover


Ich mein, HALLO? Hier werden soviele Themen gleichzeitig angesprochen und doch ist jedes Thema im Grunde völlig verfehlt. Oma-Erotik, Wassersport, Gymnastik, Go-Pro-Stumpfsinn, Schwimmbad Architektur ... keine Ahnung. Niemandem ist mit den Videos der Titelheldin geholfen. Oder ists womöglich doch ein umgebauter Held? Keiner, aber auch wirklich keiner hat was davon, sich den faltigen Arsch dieser Gilf anzugucken oder wie sie spastisch mit den Armen vor den wahrscheinlich gejobbten Boobs herumzuckt. Es ist jedenfalls beeindruckend, mit welchem Schwachsinn die Leute versuchen, andere Leute zu begeistern oder ihnen Traumata und Futter für Albträume zu liefern. Ich sehe Schwimmbäder seit einigen Jahren jedenfalls mit anderen Augen ... den Augen eines unschuldigen Kindes, das die Feuer der neun Zirkel der Hölle erlebte.

 

 

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