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Wer hat an der Uhr gedreht?: Was das unheimlich Fiese an der Zeit ist? Sie geht rum und man merkts nicht mal. Vor ein paar Jahren war ich total im PC-Fieber und habe reihenweise, seinerzeit aktuelle Games abgefeiert. Doch die Erinnerungen verschwimmen zusehends.

 

 

Wer hat an der Uhr gedreht?

 

 

 by Horstio, 6/24/2018 (changed: 7/6/2018)

Was das unheimlich Fiese an der Zeit ist? Sie geht rum und man merkts nicht mal. Vor ein paar Jahren war ich total im PC-Fieber und habe reihenweise, seinerzeit aktuelle Games abgefeiert. Heute verschwimmen diese Erinnerungen daran zusehends. Vielleicht ist es also an der Zeit für eine kleine Auffrischung?


Kannste vergessen

Wieso ich überhaupt darauf komme? Ja. Das Phänomen Internet halt. Letztens ist mir in irgendeinem x-beliebigen Video auf Youtube eine Zeile aus einem Spiel des Jahres 2007 untergekommen. "Would you kindly..." Selbst wenn man diese drei Worte bei Google eingibt, dann landet man ohne große Umwege und ohne viel Sucherei in einem Wiki oder auf einer sonstigen Seite, die auf Bioshock verweist. Diese drei Worte ergeben einen Code, den einer der Gegenspieler benutzt, um die Spielfigur gefügig zu machen. Oh, hab ich jetzt essenzielle Teile der Story verraten? Das ähm, das äh, das tut mir ... Nein! Das tut mir nicht im Geringsten leid. Ich mein, jeder hier kennt Bioshock, hat es entweder schon mal gespielt oder zuckt beim Klang des Titels gelangweilt mit den Schultern. "Would you kindly" ist der Twist des Spiels, ähnlich wie beispielsweise der Twist in Star Wars Episode IV - nur vielleicht nicht ganz so monumental und nachhaltig. Und letzteres macht wiederum Sinn, denn ich kann mich überhaupt nicht mehr daran erinnern. Das wiederum geht mir kurioserweise bei einigen Games so. Nicht zuletzt werden Spiele, die um 2000 rum oder selbst danach noch veröffentlicht worden sind, mittlerweile als Retro bezeichnet - also etwas aus grauer Vorzeit, das bestenfalls von Höhlenmenschen benutzt wurde. Dann wollen wir also mal ein wenig Ahnenforschung betreiben.

Bioshock  

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Als ich noch ein aktiver Gamestar-User war, konnte ich eine Sammlung von etwa 100 PC-Spielen vorweisen. Vielleicht mehr, vielleicht auch ein paar weniger. Ehrlich gesagt habe ich bei weitem nicht all diese Games gespielt. Bioshock allerdings schon. Mehrmals sogar. Denn es hatte zwei Enden und das eine ist total Scheiße gewesen. Und das hat man ohnehin beim ersten Durchmarsch erlebt, weil man allein durch das Experimentieren mit der Spielmechanik zu 90 Prozent den entscheidenden Fehltritt erlaubt hat. Ich erinnere mich sogar, dass ich das Spiel auf zwei verschiedenen Systemen installiert hatte, was damals total Kacke war, denn man durfte die Seriennummer nur dreimal installieren. Dieses System war völliger Blödsinn und ein Schlag ins Gesicht eines jeden Wiederverkäufers (egal ob gewerblich oder privat). Aber es half ja nicht. Neuer Computer, neue Installation.

Wie auch immer. Ich schrieb seinerzeit (im Jahr 2009, um genau zu sein) sogar einen Lesertest bei Gamestar, den ich offensichtlich niemals im Resort recycelt habe - keine Ahnung weshalb, ist mir mittlerweile auch Schnuppe. In jenem Test gab ich dem Spiel 85 Punkte und bejubelte dieses und jenes. Heute erinnere ich mich aber weder daran, den Test ausgearbeitet zu haben, noch vermag ich groß über das Spiel zu plaudern. Ich erinnere mich bestenfalls bruchstückartig an einen sehr kruden Grafikstil zwischen zerlumpter Dystopie und überholter Science Fiction - sowas wie Fallout, nur unter Wasser. Ich erinnere mich im Wesentlichen an einen gutklassig designten Shooter, der einem gerade genug Freiheiten bot, dass einem nicht langweilig wurde und der dennoch eng genug gestrickt war, um der klaustrophobischen Atmosphäre der kaputten Unterwasserstadt halbwegs gerecht zu werden. Da gab es diese Automaten, an denen man Waffen modifizieren konnte und Energie auffrischen und es gab die Big Daddys und die Little Sisters. Und ich erinnere mich schlussendlich, dass die Missionen irgendwie ziemlich gaga waren.

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Was mir aber völlig abgeht ist genau das: "Would you kindly..." Entweder habe ich das Spiel seinerzeit nicht verstanden oder diese Pointe ist mehr oder weniger spurlos an mir vorbeigegangen. Ich meine, was die damals gemacht haben (oder zumindest versucht), war ein richtiger Mindfuck - aber irgendwie hat sich gerade das nicht in meinem Bregen festgesetzt. Vielleicht habe ich mich seinerzeit auch generell mit zu viel schrillem Psychokram auseinandergesetzt. Ich sage nur Horror- und klassische Splatterfilme. Jedenfalls fand ich es zusammenfassend relativ krass, was einem in Bioshock angehenderweise für eine Story aufgetischt wurde. Ich erinnere mich schon, dass man als Spieler ein wenig verarscht wurde und im Endeffekt nicht der war, für den man sich selbst hielt. Aber dieses Element der Geschichte habe ich entweder völlig übersehen oder es im Laufe der Zeit wenigstens vergessen. Keine Ahnung. Will ich es noch mal rausfinden, was genau in Rapture los war? Hmm, näääää. Wenn ich mir die Screenshots zum Spiel anschaue, dann wirkt das irgendwie nicht mehr sehr einladend auf mich. Aber damals, vor zehn Jahren etwa, da fand ich das echt toll.

 

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Horstio meint: "Ich fand das Spiel damals schon ganz nett. Die Atmosphäre war nicht verkehrt und die Levels insgesamt ansprechend designed. Schwachpunkt: Mechanisch immer das Gleiche und in das Scheiß Ende tappte man erstmal unweigerlich." (21. Sep 2016)
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Billigkram und Aktivierungszeugs

Kommen wir zu etwas völlig anderem! Viele meiner Spiele aus der Gamestar-Sammlung waren Dinger, die aus irgendwelchen Grabbelkisten kamen. Vor zehn oder gar 15 Jahren gabs das ja noch. Die Software Pyramide beispielsweise und extra eingerichtete Sonderposten-Ecken in den Media Märkten und Saturns der Republik. Gut, die gibts auch heute noch, aber aktuell wird das doch gar nicht mehr frequentiert. Für den PCler sind Plattformen wie Steam tatsächlich der neue Standard geworden. Ohne Steam wäre das Zocken heute kaum mehr denkbar. Erinnert sich aber noch jemand an 2004, als Half Life 2 rauskam? Und erinnert sich noch jemand an die darauffolgende, tatsächlich jahrelang andauernde Debatte, dass Games, die Online-Aktivierungen und Internetzwang voraussetzten, ja eigentlich boykottiert gehörten? Oh ja, und ich hab einigermaßen lange durchgehalten. Bis mindestens 2007. September 2007, ums mal auf den Punkt zu bringen. Warum so genau? Weil ich damals aus der schönen Elternbutze aus- und in eine WG eingezogen bin. Kurz gesagt: Zuvor hatte ich kein Internet.

Two Worlds  

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Two Worlds? War das nicht dieses mittelmäßige Action RPG, das erstlinig das Spielprinzip von Sacred übernommen und in eine 3D-Spielwelt verfrachtet hat? Ja. Genau. Das wars. Und wie wars? Hm. Keine Ahnung. Ich habs jedenfalls installiert. Ein oder zwei von insgesamt fünf möglichen Malen. Das Spiel fand ich im Ganzen jetzt nicht so prickelnd. Ich bin mit meiner Figur ein paar Stunden lang auf nem Zossen durch die Botanik galoppelt und habe Goblins oder was auch immer für Gegner verdroschen. Die Grafik sah relativ nett aus, war neben Oblivion oder Gothic 3 dennoch aber ein wenig unspektakulär. Spielerisch kann ich nicht viel zu dem Game sagen, denn es motivierte mich nicht im Geringsten. Es blieb bei ner kleinen Session. Ein Schnupperkurs, der mit 5 Euro vom Grabbeltisch nicht allzu teuer ausfiel. Zu jener Zeit kamen ohnehin massig RPGs auf den Markt und eines war besser als das andere - zumindest waren entsprechende Titel wie The Witcher oder Divinity 2 angekündigt. Two Worlds war da eher ne Randerscheinung. In etwa so, als würde man Crysis und vielleicht Modern Warfare - vermutlich DIE Ego Shooter der ausklingenden ersten Dekade des neuen Jahrtausends - nehmen und ein TimeShift daneben setzen oder Clive Barker's Jericho. Das ist halt einfach keine Konkurrenz.

Was mir aber wirklich in Erinnerung geblieben ist, obwohl es nur eine Randnotiz ist, das war der beiliegende Katalog, der einem diverse Möglichkeiten aufzeigte, wie man Two Worlds aktivieren konnte, wenn man gerade kein Internet zur Verfügung hatte. Telefonisch, per Fax, per Brief, per Postkarte - die Möglichkeiten waren da wohl recht vielfältig. Interessant war auch, dass die Macher ganz explizit darauf hinwiesen, dass man jederzeit gratis neue Aktivierungscodes anfordern konnte, sollte man das Spiel mehr als fünf mal installiert haben. Als ob Two Worlds so ein enormer Renner war, den man unbedingt auf all seinen Computern und auch Jahre später noch zocken wollte. Irgendwie nich so.

 

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Horstio meint: "Nette Welt, netter Versuch, ein eigenes Universum zu kreieren, nette Helden und Gegner, nette Aufträge, aber außer nett ist nichts gewesen." (06. Apr 2011)
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Totaler Aufrüstwahn

Ich hab schon immer relativ gelassen auf technische Neuerungen und gesetzte Standards reagiert. Das letzte Mal, dass ich eine völlig neue technische Errungenschaft händeringend haben wollte, war, als das Super Nintendo auf den Markt kam. Ungelogen. Bei allem anderen Schnüss habe ich mich irgendwann eher reindrücken lassen, wenns gar nicht mehr anders ging. Eine Mikrowelle? Anfang der 2000er bestenfalls. Mein erster DVD-Player? Ziemlich genau 2004. Meinen ersten, eigenen Fernseher mit 80 cm Bildschirmdiagonale hatte ich im Jahr 2009 oder 2010. Und das auch eher leihweise von meinem damaligen WG-Mitbewohner, da der sich einen dieser prolligen Meterzwanzig-HD-Fernseher kaufte. Zuvor hatte ich einen verschwindend kleinen Fernseher mit 30 cm Bildschirmdiagonale von Siemens, den ich im Jahr 1996 zum Geburtstag bekam. Mein erstes Handy ... oh, es war ein Nokia. Dieser Backstein, den damals alle hatten. Muss wohl um 2001 rum gewesen sein. Dieses aber auch nur, weil wir zu dem Zeitpunkt zuhause kein Festnetztelefon hatten. Und heute? Heute renne ich immer noch mit einem in die Jahre gekommenen und kaum mehr funktionierenden Sony Ericsson K800i durch die Gegend. Nein, ich besitze immer noch kein Smartphone - einfach so, schlichtweg, weils ohne geht. Noch jedenfalls.

Gothic 3  

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Nun ja. Der PC war vielleicht für einen gewissen Zeitraum eine kleine Ausnahme, denn es gab einige Spiele, die so gut oder wenigstens verlockend waren, dass ich mir extra dafür neue Hardware kaufte. Für FarCry habe ich seinerzeit den Arbeitsspeicher auf unvorstellbare 1024 MB aufgerüstet. Oblivion zwang mir den Kauf einer neuen Grafikkarte ab. Als irgendwann Crysis rauskam, war ich erneut gezwungen in die Tasche zu greifen, denn die wiederum neue und extrem zornige Grafikkarte brachte zudem noch das alte Netzteil wortwörtlich zum Brennen. Ein - für lange Zeit letztes mal - rüstete ich nach, kurz nachdem Skyrim rauskam, da dies die besagte zornige Grafikkarte von eben fachgerecht zerlegte. Doch zwischendrin gab es auch einen Rechnerneukauf. Ende 2006 musste ein völlig neues System erstlinig für Gothic 3 her - es musste zwingend eine Dual Core CPU sein und damit verbunden benötigte ich ein Mainboard und dafür wiederum auch eine neue Generation von RAM-Bausteinen. Und? Wars ein Fehlkauf? Nein, denn mit dem neuen Rechner sah Oblivion weiterhin phantastisch aus und in der Folgezeit stemmte die Kiste noch das ein oder andere Game wie Dark Messiah Of Might And Magic.

Gothic 3 war allerdings anders. Es war so völlig anders. Ich habe seinerzeit nicht mal viele Patches genutzt und dennoch lief es auf meinem PC relativ Bugfrei und auch stabil. Spielerisch war es ein wenig trocken. In den drei großen und weitläufigen Abschnitten der Welt gab es gefühlt etwa 50 Städte und Siedlungen, die allesamt von Gegnern und vorherrschenden Oberhäuptern gesäubert werden mussten. Allerdings sah die Welt wunderschön und enorm abwechslungsreich aus - sieht man mal von der etwas zu groß geratenen Wüste und der relativ eintönigen Eislandschaft ab. Ich hatte eine unglaubliche Freude, die Welt auszukundschaften, seltene Pflanzen und allerlei Items zu sammeln und Geheimnisse zu lüften. Allgemein wurde das Game als übereilter Versuch abgetan, der sein offensichtliches Ziel - Oblivion mächtig eins drauf zu setzen - eindeutig verfehlte. Ich hatte trotzdem viel Spaß mit dem Game - mehr noch als mit den Vorgängern und erst recht viel mehr als mit der "Wiedergutmachung" Risen.

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Und wie sähe das heute aus? Würde ich mir dieses Game heute auch noch antun? Mit dem Wissen, dass es heute (nach tausendfachen Fanpatches und Modifikationen) womöglich noch unrunder läuft, wohl eher nicht. Ich schätze, das Spiel als solches spricht mich nicht mehr an. Ähnliche Spielprinzipien wie in Just Cause 2 haben die "Befriedung verschiedener Areale" ziemlich auf die Spitze getrieben, und ich habe es gewissermaßen satt. Ich könnte mir durchaus vorstellen, unverbindlich ein paar Stunden durch die Welt zu streifen und mir die Gegend anzuschauen. Ich fürchte aber, dass genau diese Auffrischung auch den damaligen Wow-Effekt zunichte macht. Damals war die Welt echt eindrucksvoll. Heute sieht das in Bewegung bestimmt extrem unbeholfen aus.

 

galery

Horstio meint: "Damals hatte ich es mir "schön-gespielt". Musste ich auch, denn nur wegen dieses blöden Spiels kaufte ich mir einen Rechner, auf dem es überhaupt spielbar war. Ich habe Gothic 3 lange gespielt, aber deswegen immer noch nicht unbedingt gerne." (8. Jul 2013)
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Selbstgerechte Märchenerzählerei

Was ich rückblickend auch faszinierend finde, ist der Umgang mit dem Netz als solches. Wie man sich selbst im Internet präsentiert. Vor circa zehn Jahren waren es noch die Anhänger der Piratenpartei, die für ein sauberes Internet für jedermann plädierten, so dass jeder weiterhin vorgeben konnte Youtube zu schauen, tatsächlich dann aber heimlich und ungestört auf Youporn rumlungerte, oder XHamster. Genauso wurde stets gegen die Zurschaustellung auf sozialen Netzwerken wie Facebook oder Myspace oder MeinVZ gewettert. Anonymität. Das war DAS Ding im Internet. Heute ist es genau andersrum. Facebook gibts schon vorm Frühstück. Bevor man den ersten Pups des Tages aus dem Darm flattern lässt, da hat man schon die ersten Statusmeldungen gepostet. Man bejubelt sich heutzutage auf Twitch oder wenigstens via Youtube, wo man sich beim daddeln irgendwelcher Spiele selbst filmt und das eigene Verkacken lauthals live inszeniert. Toll. Braucht man. Früher galt man als extrovertierter Penner, wenn man diesem Social Media Kram gefrönt hat, heute wird man schief beäugt, macht man aus seiner Existenz ein großes Geheimnis.

Wichtig ist vor allem, dass jeder etwas zu erzählen hat und mittlerweile seine Meinung auf jegliche Weise kundtun kann. Jeder hat eine Geschichte zu erzählen und wenn dies auch nur ein Post mit wenigen Worten ist oder selbst ein unkommentiertes Bild von irgendwas. Auch die Spiele haben sich im Laufe der Jahre geändert; sie wurden groß aufgezogen und mit einer ausufernden Geschichte dargeboten. Sicher, es gibt auch 16 Bit Games, die einen rührselig machen oder gar die Tränen in die Augen treiben, aber das war meist den großen RPGs vorbehalten und jene wiederum wurden zumindest in Deutschland damals eher stiefmütterlich behandelt. In den Jahren ab etwa 2007 wurde die Inszenierung der Spiele immer bedeutender. Vorher hat ein Game vielleicht ein Rendervideo als Einleitung gehabt. Doch nach und nach wurden selbst Cutscenes in den direkten Spielfluss eingebunden. Zuvor hieß es in puncto RPGs, dass die Mechanik entscheidend sei und nicht der audiovisuelle Eindruck. Spätestens Oblivion machte deutlich, dass extrem gute Grafik das Spielerlebnis nicht verschlechtert, und dass auch vertonte Dialoge und ein epischer Soundtrack die Atmosphäre durchaus auflockern können. In diesem Zuge erlangten Hexer, Drachenritter, Drachentöter, verkappte Magier und so weiter einen regelrechten Boom. Doch selbst Shooter und Actionspiele wussten auf einmal, dass eine cineastische Inszenierung das Spielgefühl enorm verstärken kann.

L.A. Noire  

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Eines der letzten PC-Spiele, das mich so richtig begeisterte und eine hervorragende Mischung aus technischer Opulenz und spielerischer Finesse bot, war L.A. Noire. Gut, ich habe das Spiel zunächst auf einer geliehenen XBox 360 gespielt, zusammen mit Dead Island. Die PC-Version kam ja einige Zeit später raus, und gekauft habe ich mir das Game für den PC überhaupt erst, als es kostengünstig im Laden stand - aber auch dies lohnte sich noch mal. In technischer Hinsicht war L.A. Noire beeindruckend, denn die Macher erschufen eine große, dynamische und einwandfrei funktionierende GTA-Sandbox-Stadt im Stile der 50er Jahre und entwickelten hierfür eine Methode, die Mimik und Gesichtszüge realer Schauspieler auf die Einwohner des virtuellen Hollywoods zu projizieren. Das Ganze hatte mitunter einen leicht bizarren und auf subtile Weise unangenehmen Touch, der blendend mit der Spielmechanik einherging.

In der Rolle eines Cops des L.A.P.D. löste man verschiedene Mordfälle. Das Spiel verkam nicht zum GTA-typischen Schieß- und Fahrgeschäft, sondern legte viel Wert darauf, dass die Täter gezielt überführt werden mussten. Man musste Verdächtige verhören, Beweisstücke am Tatort sicherstellen und Informationen im Bekanntenkreis der Verdächtigen sammeln. Jeder der über 20 Fälle war inhaltlich gut aufgebaut und es wurde zunehmend schwerer den Täter zu ermitteln. Die abgehakten Fälle erinnerten an Episoden amerikanischer Krimiserien wie Kojak oder Starsky & Hutch, nur eben in den 50ern. Selten musste man auf rabiate Art und Weise vorgehen. Dass man einen Cop spielte machte das Game sogar moralisch vertretbar.

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Natürlich gabs eine übergeordnete Geschichte im Verlauf des Spiels, die während der einzelnen Mordfälle beschrieben wurde. Unser Cop führte ein Privatleben das unterschwellig im Spielverlauf eingebunden wurde. Und natürlich gabs eins, zwei übergeordnete Handlungsstränge, die auch Auswirkungen auf die einzelnen Mordfälle hatten. Die Fälle für sich waren aber schon total toll. Hier zeigte sich der Aufwand, den die Macher betrieben, denn für jeden einzelnen Fall wurden diverse Charaktere "designed". Auch wenn Teile dieser Fälle oft auf Minigames setzten, so stand stets der Storyverlauf im Vordergrund. Die Reaktionen der Verdächtigen im Verhör, das war das A und O des Spiels. Nie zuvor wirkten Spielfiguren so real und handelten so nachvollziehbar menschlich. Die Mimik und Gestik war hervorragend eingefangen und im Grunde der Zeit voraus. So flüssige Bewegungsabläufe hats zuvor nicht gegeben. Und dieser Aufwand war durchaus wichtig für das Gesamterlebnis des Spiels.

Ansonsten wussten die Macher mit der GTA-typischen Welt zu begeistern. Keine Ahnung, ob das in L.A. Noire gezeigte Hollywood ein halbwegs realistischer Nachbau war oder völlig frei erfunden. Ebenso ist es mir gleich, ob es die Autos in irgendeiner Form so oder wenigstens so ähnlich gegeben hat, ob die Radiomusik tatsächlich zu der Ära passte, ob gewisse Werkzeuge und Gegenstände zu dem Zeitpunkt existierten und ob generell so verfahren wurde, wie im Spiel beschrieben. Aber alles in allem wirkte der Schauplatz stimmig. Das Amerika der 50er Jahre kam voll rüber. Herrliche Betonbauten, Häuserblocks mit mittelhohen Gebäuden an denen rudimentär Stromleitungen hingen, die als Wäscheleinen benutzt wurden. Die schrulligen Karren und die muffigen Outfits. Ein insgesamt farbenfroher Stil, der so gar nichts mit dem Namen des Spiels zu tun hatte. Dazu plärrende Jazzmucke und Verfolgungsjagden wie im Groschenroman. Genial. Nebenher lief die tatsächlich düstere, morbide Seite des Spiels, wenn zum Beispiel gefasste Täter über ihre Motive sprachen. Das wirkte befremdlich und abstoßend, wie ein David Lynch Film oder wenigstens einer von Stanley Kubrick. Alles in allem super.

 

galery

Horstio meint: "Selten hat mich ein Spiel so gefesselt und wirkte dabei so echt. L.A. Noire ist ein genialer Actionthriller mit Tiefgang, super Welt und großartigen NPCs." (11. Aug 2011)
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