Resort

Been There - Done That

 

  

 

   

 

 

 

Games

Uncharted Waters: New Horizons: Das Zeitalter der Seeräuber ist doch eigentlich ein tolles Setting für Videospiele verschiedenster Art. Jedoch sind Piratenspiele in den 90ern und vor allem auf dem SNES leider eher rar.

 

 

Uncharted Waters: New Horizons

 

 

 by Horstio, 7/3/2017 (changed: 7/3/2017)

galery

Neben Sid Meier's Pirates dürften "Retrospieler" auf jeden Fall den Adventure-Klassiker Monkey Island kennen ... und dann fängt auch schon das große Grübeln an. Leider, denn die Weiten der Ozeane des Seefahrer- und Piratenzeitalters sind doch eigentlich ein hervorragender und atmosphärischer Schauplatz für Videospiele. Doch auf dem SNES sind Piratenspiele - also so richtige Piratenspiele - eher rar. Kein Wunder: Seeräuber tauchen in den Neunzigern allgemein nur wenig in den Medien auf. In den Sechzigern und Siebzigern boomten die Filme und Geschichten um säbelrasselnde Kapitäne mit Holzbeinen, Enterhaken und Augenklappen, deren Seelen so pechschwarz waren wie ihre Zauselbärte. Mitte der Neunziger produzierte Renny Harlin mit Cutthroat Island (Die Piratenbraut) einen der teuersten Kinoflops aller Zeiten; die Leute wollten lieber gerenderte Dinosaurier, Terminatoren und riesengroße Raumschiffe randvoll mit garstigen Aliens sehen, anstatt ollen Seemannsgarn aus der Kindheit neu aufgewärmt zu bekommen.

galery

Ist der Film mit Geena Davis ein durchaus verkannter Klassiker, der das Genre lange Jahre vor dem Fluch der Karibik modernisierte, so macht sich das gleichnamige Spiel auf dem SNES eher als ein typisches Lizenz-Ärgernis bemerkbar. Das nette Produktdesign und eins, zwei gute Einfälle können nicht verhindern, dass Cutthroat Island mächtig abstinkt. Weitere Games, in denen Seeräuber zumindest temporär als Gegenspieler auftauchen, sind zum Beispiel Goof Troop, The Pagemaster, Ghoul Patrol oder natürlich Hook. Wer jetzt mit dem Beat 'em Up Pirates Of Dark Water angeschlichen kommt, der möge das gegnerische Gelumpe und Leveldesign dieses Spiels mal mit Golden Axe, Magic Sword oder Legend vergleichen - wirkliche Seeräuberromantik kommt auch in Dark Water nicht auf. Was bleibt also, um den Status einer Landratte auf spielerische Art und Weise loszuwerden? Richtig, der Weg zum Importhändler, der einem den Rollenspiel-Strategie-Mischmasch Uncharted Waters übern großen Teich bringt.


In meiner Badewanne bin ich Kapitän!

galery

Es gibt Spiele, die einen unweigerlich zum Ende durchwinken, ohne dass man irgendwas dafür tun muss. Und dann gibt es Spiele wie New Horizons, die derart komplex, einsteigerunfreundlich und fortlaufend knüppelschwer erscheinen, dass man sich direkt mehrere Sandsäcke zum Verprügeln bereit legen sollte. Die Spiele von Koei nehmen in den frühen Neunzigern teilweise erstaunlich realistische, komplexe, furztrocken präsentierte und mindestens unkomfortable Ausmaße an. Auch bei New Horizons haben die Macher an jedes nur erdenkliche Detail gedacht. Eine gnadenlose Herausforderung selbst für leidgeprüfte Hardcorezocker. Jeder einzelne Schritt ins Ungewisse kann fatale, ja direkt vernichtende Folgen haben. Gerade noch spendierte ich meiner stolzen Segelflotte ihr zehntes Kriegsschiff und schon geraten die Deppen auf hoher See in einen Sturm und saufen komplett ab. Was habe ich denn bitte falsch gemacht? Also schnell neu laden und glücklicherweise keinen Sturm ernten, doch dafür hüpfen im nächsten Moment meine Bootsmänner wie Lemminge über die Reling; der Gesang von Sirenen zieht sie magisch an... Alter! Echt jetzt? Was denn noch!?

Hrmpf, der Trubel beginnt ja schon viel früher. In einem beliebigen Rollenspiel westlicher Prägung hat man anfangs noch die Qual der Wahl, welcher Klasse ein neuer Charakter angehören soll. In New Horizons beginnt der Spieleinstieg mit der Wahl der Hauptfigur. Es gibt sechs unterschiedliche Protagonisten, die allesamt eine individuelle Geschichte erleben. Heutzutage würde man von sechs verschiedenen Kampagnen sprechen und direkt den erhöhten Wiederspielwert loben. Die sechs Charaktere gehören einer von insgesamt drei Klassen an. Es gibt Piraten, Händler und Abenteurer. Somit führt man bevorzugt entweder Kriegsschiffe ins Gefecht, kommandiert eine Handelsflotte oder man entdeckt Weltwunder und neue Zivilisationen. Eines vorweg: Als Schauplatz dient unsere Erde, und die ist, wie man seit Erfindung der Weltkarte weiß, gar nicht mal so klein. Koei lässt den Spieler jedoch nicht mal eben so die sieben Weltmeere erkunden. Die Reisen von Hafen zu Hafen gestalten sich zäh und die Herausforderungen sind teils unerbittlich. Auf hoher See greifen Stürme und Erscheinungen wie die erwähnten Sirenen um sich, Krankheiten wie Skorbut gehen um und raffen die Besatzung dahin, Piraten lauern einem auf und wenn das alles noch nicht hilft, den Spieler klein zu halten, dann gehen eben die Lebensmittelvorräte an Bord zur Neige.

galery

Wer bei dem Stichwort Rollenspiel übrigens den Gedanken an Zelda oder Secret Of Mana hegt, der kann rücklings wieder von Bord torkeln. Es gibt keine Dungeons, keine Rätsel und schon gar keine Pogopuschel. Das eigentliche Treiben findet entweder auf dem Wasser oder in den jeweiligen Städten statt. New Horizons ist eine ziemlich konsequente Mischung aus Rollenspiel, Strategie und Wirtschaftssimulation, die deutlich an Heroes Of Might And Magic erinnert. Unabhängig der gewählten Hauptfigur bekommt man nach kurzem Vorgeplänkel ein Schiff und dann könnte es auch schon losgehen. Natürlich sollte man nicht einfach so in See stechen. Man braucht eine Mannschaft, man braucht Verpflegung, eventuell auch Kanonen und Schießpulver, sowie Holz für mögliche Reparaturen der schaukelnden Badewanne. Für all das braucht man logischerweise nur das Beste: Bares! Das Startkapital ist schneller verbraucht, als man gucken kann. Nachschub kann man sich auf vielfältige, dennoch zumeist harte Art und Weise beschaffen. Entweder raubt man (mittels teuflisch schwerer Rundengefechte) fremde Handelsflotten aus (was wiederum zur Folge hat, dass in den verschiedenen Herrschaftsgebieten Kopfgelder auf einen ausgesetzt werden) oder man geht ehrbaren Berufen nach und holt sich Aufträge von der Handelsgilde. Einfach sind die Arbeitsaufträge nicht gerade. Die lukrativen Geschäfte bestehen zum Beispiel darin, einem Händler innerhalb eines Monats eine bestimmte Ware zu besorgen. In welcher der etwa 100 Städte diese Ware verkauft wird, das muss man hingegen selbst herausfinden. Hinzu kommt der stetige Zeitdruck: Die Deadline ist knapp gesetzt, die Seewege sind lang und die Vorräte sind knapp wie auch teuer. Der emsige Entdecker schreibt sich am besten alles nebenher auf oder zeichnet direkt ne Karte, auf dem er die Häfen markiert. Weitere Aufgaben bestehen darin, entweder Postschiff, Inkassounternehmen oder Piratenjäger zu spielen. Man kann auch auf eigene Faust Handel betreiben, jedoch gestaltet es sich schwierig, die zig verschiedenen Handelsgüter günstig zu kaufen und teuer zu verkaufen, zumal die Waren je nach Herrscherregion versteuert werden müssen. Eine weitere Methode, um Geld zu verdienen: Black Jack - risikoreich, aber unter Umständen extrem lukrativ.

galery

New Horizons fährt grundlegend ein ungeahnt detailverliebtes Gameplay auf. Dutzende Menüs und Tabellen überfordern einen und wollen emsig studiert werden. Arbeiter wollen eingestellt werden und Aufgaben erteilt bekommen, es müssen stets Gehälter und Nahrungsrationen überdacht und festgelegt werden. Man kann diverse Schiffsmodelle kaufen, beliebig pimpen und Rabatz machen. Die Möglichkeiten sind zahlreich und nahezu unerschöpflich. Dagegen wirkt die audiovisuelle Aufmachung ansonsten eher altbacken und erinnert bestenfalls an Final Fantasy II, was aber nicht untypisch für die Spiele von Koei ist. So verfrickelt und verschachtelt das Gameplay auch ist, so reizvoll ist das Game insgesamt. Die Motivation der einzelnen Hauptdarsteller ist nett vorgetragen, wenn auch nicht immer ersichtlich ist, was man als nächstes zu tun hat. Das Spiel an sich nimmt enorm viel Zeit in Anspruch, da jeder Spielfortschritt hart erarbeitet werden will. Strategische Planung und wirtschaftliches Denken sind Pflicht. Die Rollenspielelemente und die knackigen Rundengefechte und Duelle geraten da sogar ein wenig zur Nebensache. Das Entdecken der Welt geschieht nur auf Umwegen, aber es macht viel Spaß, wenn man erstmal halbwegs einen Überblick gewonnen hat. Fies sind dennoch diese kleinen Nickligkeiten, mit denen man geärgert wird, wenn einem die Crew auf hoher See aus unerfindlichen Gründen wegverreckt, oder wenn man hinterrücks von Piraten aufgemischt wird oder wenn man sich beim Umbauen der Schiffe falsch entscheidet und mehrere tausend Goldstücke in den Sand setzt.




Wertung
Grafik: plusplusplus
Ein wenig altbacken geht es schon zu. Die Städte sind nicht sehr detailreich designed und Objekte wie auch Figuren sind recht winzig. Die Menüs sind dafür enorm überladen und überfordern einen regelrecht. Alles in allem oberes Mittelmaß.

Sound: plusplusplus
Weitgehend plätschernde Themes und spärliche Effekte - es fügt sich immerhin alles gut ein.

Gameplay: plusplusplusplusplus
Aller Anfang ist schwer und dauert ewig an, doch dann packt einen das Game umso mehr. Nach und nach werden immer mehr und immer neue Feinheiten und Details offengelegt, die das Spiel zu einer hervorragenden Mischung aus Menükoloss und tollem Action Adventure veredeln.

Spielspaß: plusplusplusplusplus
Das Setting und die verschiedenen Charaktere reichen allein schon aus, um einen bei der Stange zu halten. Auch wenn das Gameplay extrem umfangreich ist und der Anspruch irre hoch angesiedelt, so ist man stets motiviert, weiter zu machen oder wieder von Neuem zu beginnen.

Uncharted Waters: New Horizons 90/100

galery

Horstio meint: "Man kann noch soviel im Spiel erleben und die Feinheiten der Spielmechanik ausloten, auch nach Wochen wird man neue Details in den Menüs ausfindig machen, die sich deutlich auf das Spielgeschehen auswirken. Ebenso gerät man in nahezu jeder Session immer wieder in niederschmetternde Situationen, die einen glauben machen, man stünde noch ganz am Anfang des Abenteuers. Selbst die siebzigseitige Anleitung hilft einem mitunter nicht aus der Klemme. Uncharted Waters 2: New Horizons ist Faszination und Frustration in einem. Technisch etwas bieder, aber dank megageilem Setting einfach mitreißend. Also, nichts wie ran an die Runder! Ahoi."

 




Collectors Edition:
Ich stolperte im Zuge meiner US-NTSC-Recherche mehr oder weniger zufällig über den nicht gerade kleinen Backkatalog der Spieleschmiede Koei. Klar, Civilization kennt man, und auch Titel wie Romance Of The Three Kingdoms tauchen hier und da mal auf. Die beiden Games der "Uncharted Waters"-Reihe sind hierzulande leider etwas unbekannter geblieben, obwohl es hochmotivierende Kost ist.

Doch man muss die Games erstmal zu fassen kriegen. In einer, meiner Meinung nach jedoch etwas betagten, NTSC-Liste, die ich in den Tiefen des Internets fand, wird New Horizons in der Kategorie "Seltenheit" mit der Note A- gekürt - für mein subjektives Empfinden zu hoch angesetzt, denn man hat schon recht gute Chancen, das Game zu erwischen, wenn man gezielt danach sucht. Allerdings ist es relativ teuer. Für einen guten Komplettzustand wird man wohl mit 100,- Euro rechnen müssen. Ich habe umgerechnet etwa 120,- Euro inklusive Porto und Zollgebühren bezahlt. Eine ganze Stange Geld, doch spielerisch lohnt es sich definitiv.

Wie die meisten Spiele von Koei kommt auch New Horizons mit einer Landkarte daher. Spielerischen Nutzen hat das bunte, vollgekrakelte Teil in diesem Falle jedoch nicht. Die Häfen und Dörfer muss man schon selbst entdecken. Das Artwork allgemein ist - ganz typisch für Koei - faszinierend gelungen. Tolle Ölmalereien zieren das Cover. Das sieht schon sehr reizvoll aus. Das Handbuch ist ein siebzigseitiger Wälzer und für den Spieleinstieg geradezu unverzichtbar - gute Englischkenntnisse vorausgesetzt.

galery

Zustands-Check
NTSC-Version
Product-ID: SNS-QL-USA
Preis: ~120,- Euro
Box: plusplusplusplus
Anleitung: plusplusplusplus
Modul: plusplusplusplusplus
Preis/Zustand: plusplusplus
plus Poster enthalten

 

 

Related

 

Uncharted Waters: New Horizons 

 

 

 

 

 

 

Gesamt: 100%   (3 von 3 Leser fanden diesen Artikel hilfreich.)

 

 

 

 

 

Uncharted Waters: New Horizons

 

 

"Komplex, verschachtelt, überfordernd und unkomfortabel. Erstklassige Mischung aus RPG, WiSim und Strategie um sechs verschiedene Seefahrer im 16. Jahrhundert. Der Einstieg ist ultrazäh, die Technik nur mittelmäßig. Insgesamt dennoch faszinierend."

 

90/100

 

 

 

Gallery

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Back to profile

 

Short URL: fresort.com/b1449

   

 

Home

© 2010-2017 fan-RESORT